Vermeintliche Pazifist*innen begrüßen Assads willige Propagandistin

Für den heutigen 20. Juni hat die Gruppe „Bildung ohne Bundeswehr“ die Journalistin Karin Leukefeld eingeladen. Thema soll der Krieg in Syrien sein. Ein „Akt der Barbarei“? heißt es in der Ankündigung, in Anführungsstrichen und mit Fragezeichen. Es wird deutlich gemacht, dass es hier nicht darum gehen soll, die Taten eines der größten lebenden Kriegsverbrecher der Welt, Bashar Al-Assad, zu thematisieren, sondern eben jenen zu loben. Nach der Schlacht um Aleppo hätten schließlich die Waffen geschwiegen und die „westlichen Allierten“ eine Niederlage einstecken müssen. Es klingt ganz so, als hätten in Aleppo außer den Syrer*innen US-amerikanische Soldat*innen gekämpft und nicht etwa russische Bomber, die zwischen Rebell*innen und Zivilist*innen keinen Unterschied machen, sowie Hisbollah-Miliz und iranische Revolutionsgarden.

Das „befreite“ Aleppo

Kaum andere westliche Journalist*innen dürfen sich derzeit dauerhaft in Assads Syrien aufhalten. Frau Leukefeld hingegen hat seit Jahren eine Akkreditierung durch das Regime, der „legitimen Regierung Syriens“, wie sie es nennt. Weil sie eine journalistische Koriphäe ist? Wohl kaum. Eher weil sie genau so berichtet, wie es den Kriegsverbrecher*innen in Damaskus gefällt. Ihr 2015 erschienenes Buch „Flächenbrand“, sowie das 2016 erschienene „Syrien zwischen Schatten und Licht“ enthalten dementsprechend auch hauptsächlich Verständnis für das Vorgehen Assads und sehen ihn, der seit Jahrzehnten an der Macht klebt und diese mit Giftgas und Fassbomben verteidigt, als Getriebenen, als eigentliches Opfer des Krieges.

Als Nahost-Korrespondentin ist Frau Leukefeld häufig für den Sender RT deutsch tätig. Doch weder ist RT deutsch ein unabhängiges Medium, noch ist seine Geldgeberin, die Russische Föderation, ein neutraler Akteur im Krieg. Die russische Armee kämpft an der Seite Assads, setzt hierbei Streumunition ein, bombadiert Wohnhäuser, Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Märkte und Moscheen. Doch davon lässt Frau Leukefeld sich nicht beeindrucken. Zynisch bezeichnete sie im russischen Staatsmedium die Schlacht um Aleppo als Befreiung, als „positiver Schritt hin zu einer Lösung jenseits von militärischer Gewalt“.

Bei so viel Liebe zum Diktator ist der Hass auf die einzige Demokratie im Nahen Osten nicht fern. Die Tageszeitung Junge Welt überschrieb im März einen Artikel Frau Leukefelds mit „Tel Aviv bombt für IS“ und setzte ihn auf die Titelseite. „Die Sympathie der israelischen Regierungs- und Militärführung für die islamistischen Kampfgruppen in Syrien ist kein Geheimnis“, heißt es darin. Dass es bei dem Vorfall um einen israelischen Angriff auf einen Waffentransport der Hisbollah ging, verschweigt Frau Leukefeld. Stattdessen halluziniert sie eine Unterstützung Israels für den sog. Islamischen Staat. Eine zwar schräge, aber in verschwörungsideologischen Kreisen durchaus beliebte Ansicht. Die Hisbollah wiederum ist für Frau Leukefeld vermutlich keine islamistische Kampfgruppe, steht sie doch an der Seite Assads.

Wenn derartige Referent*innen den Standpunkt selbsternannter deutscher Pazifist*innen markieren, dann ist es um den Pazifismus wahrlich nicht gut bestellt. Hier bewahrheitet sich einmal mehr Paul Spiegels geflügeltes Wort: »Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder«.

Weitaus sinnvoller als den Apologet*innen von Kriegsverbrechen zu lauschen, ist es jene aufzuklären. Die UNO hat zwar längst entsprechende Ermittlungen beschlossen, bislang haben die Mitgliedsstaaten aber nicht die hierfür nötigen Gelder locker gemacht. Die NGO „Adopt a Revolution“, die den Aufstand gegen die Assad-Diktatur von Beginn an unterstützt, hat deshalb jetzt zum Crowdfunding aufgerufen: http://www.crowd4justice.org.