Israel. Ein Reisebericht

Tel Aviv

VON JAN VAHLENKAMP

Drei Mitglieder des LAK Shalom Hamburg hielten sich vom 15. bis zum 26. Februar in Israel auf. Dies war keine Delegationsreise, sondern ein privat organisierter und finanzierter Besuch, aber der interessierten Öffentlichkeit sollen die Eindrücke der Shalomies dennoch nicht vorenthalten werden.

Hummus und Falafel

Gleich zu Beginn der Reise besuchten wir das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv. Dieses liegt am noblen Rothschild Boulevard, auf dem sich 2011 die großen Sozialproteste in Form einer improvisierten Zeltstadt abspielten. Das Israel Office der Rosa-Luxemburg-Stiftung sieht es als seine Aufgabe an, die vielfältigen Stimmen des progressiven Israels hörbar zu machen und gleichzeitig der deutschsprachigen Leser*innenschaft einen Einblick in die Verfasstheit der hiesigen Gesellschaft und in die inner-israelischen Diskurse zu ermöglichen. Sie bietet ihre Räumlichkeiten linken Graswurzelorganisationen, progressiven Nichtregierungsorganisationen, sich selbst organisierenden Flüchtlingen aus der Subsahara oder Mitgliedern der linken Opposition in der Knesset an. Der Büroleiter Tsafrir Cohen berichtete uns vom in Israel seit geraumer Zeit vorherrschenden Neoliberalismus in Einheit mit Nationalismus. Von der schwierigen Situation der Geflüchteten, der Arbeitsmigrant*innen und der anderen Ausländer*innen in Israel, sowie der strukturellen Benachteiligung der arabischen Minderheit. Aber auch von entsprechenden Gegentendenzen, wie der neuen Gewerkschaftsbewegung „Koah la Ovdim“ oder der „Gemeinsamen Liste“ der arabischen Minderheit der Knesset.

Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Israel Office

Dass in Deutschland in letzter Zeit gelegentlich die Kritik hervorgebracht wurde, die Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv berichte ausschließlich negativ über Israel, ist auch bei den dortigen Mitarbeiter*innen nicht ungehört geblieben. Die Stiftung sieht es aber nun einmal als ihre Aufgabe an, über soziale Kämpfe zu berichten, so wie anderorts auch. Diese richten sich, logischerweise, gegen die herrschende Ordnung. Angesichts einer ultra-rechten Regierung, wie der jetzigen Israelischen, bleibt da wenig Spielraum für positive Berichterstattung über den Staat an sich. Was solche Berichte dann wiederum in Deutschland für ein Echo auslösen, steht auf einem anderen Blatt. Hierbei nimmt die Stiftung aber Rücksicht darauf, dass bestimmte Begrifflichkeiten, die von der israelischen Linken ganz selbstverständlich benutzt werden (wie „Apartheid“), in ihren Publikationen nicht auftauchen, da sie in Deutschland falsch verstanden werden.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Tel Aviv veranstaltet übrigens am 27. April ein Gespräch zum Thema „Das neue Prekariat – Gewerkschaften im Post-Fordismus“ im Centro Sociale in Hamburg. Als Gast wird unter anderem eine Vertreterin der neuen Gewerkschaft Koah la Ovdim zugegen sein.

Tel Aviv, Allenby Street

Von Tel Aviv aus fuhren wir weiter nach Jerusalem. Im Gegensatz zu der modern und tolerant wirkenden Küstenmetropole ist die israelische Hauptstadt, die relativ hoch liegt und in der stets ein kühleres Klima herrscht, konservativ geprägt. Aus touristischer Sicht hat Jerusalem, mit seinem Weltkulturerbe verschiedener Epochen an nahezu jeder Ecke, weitaus mehr zu bieten als Tel Aviv, wo es ja praktisch überhaupt keine größere Sehenswürdigkeit gibt. Für die Israel*innen aber ist die Hauptstadt im Gegensatz zur Küstenmetropole der Ort, wo religiöse Hardliner*innen zuhause sind, die ein Leben nebeneinander statt miteinander bevorzugen. Streetart, die in Tel Aviv weit verbreitet ist, ist in Jerusalem relativ selten. Der Gegensatz Tel Aviv und Jerusalem wirkt wie jener zwischen Berlin und München.

Im Bazar

Im Bazar in der Jerusalemer Altstadt findet sich in den Läden, neben Israel-Merchandise wie IDF-T-Shirts, allerlei „Free-Palestine“-Devotionalien. Hieran sieht man einmal wieder: Israel ist ein demokratischer Rechtsstaat. Im Bazar von Istanbul kann man „Free-Kurdistan“-Merchandise jedenfalls ziemlich lange suchen.

Ein Patriarchat

Das „Heilige Grab“ ist derzeit eingerüstet. In der Grabeskirche finden Restaurierungsarbeiten statt, die bereits neue Funde offen gelegt haben. Die Pilger*innen bildeten allerdings eine sehr lange Warteschlange um das leere Grab des Jesus von Nazareth zu besichtigen. Die überwiegend kirchlich nicht gebundenen Schalomies hatten keine Lust sich anzustellen.

Der Tempelberg

Auf einen Besuch des Tempelbergs verzichteten wir gänzlich. Dieser darf von „Ungläubigen“ nur von 7.30 Uhr bis 11.00 Uhr aufgesucht werden und der Felsendom ist für Nicht-Muslim*innen gänzlich tabu, bzw. haram. Da eine spontane Konversion am Eingang wohl nicht anerkannt würde, blieb uns das Innere dieses Wahrzeichens verschlossen. Die Klagemauer hingegen steht allen Menschen offen und auch wenn hier am Schabbat, wenn stets eine sehr feierliche und ausgelassene Stimmung diesen Ort prägt, das Fotografieren und Filmen verboten ist,  so hat das Oberste Rabbinat immerhin entschieden, dass die Sicherheitskontrollen nicht gegen das Gebot der Feiertagsruhe verstoßen. Gott sei Dank.

Die Klagemauer

Und dann war da ja noch das Promo-Video an der Klagemauer. Einigen Genoss*innen hat dieses ja nicht so gefallen und galt ihnen als – Achtung, neuer Begriff – „regressive Religionskritik“. Nun ja, vielleicht war der Protagonist noch ein bisschen verschnupft, da Jehova ihm seinen letzten, vor 25 Jahren mit deutlich mehr Pathos in der Klagemauer hinterlegten Wunsch noch immer nicht erfüllt hat. Vielleicht war es auch einfach die Überzeugung, dass der Nahe Osten ein besserer Ort sein könnte, wenn der abrahamitische Aberglaube insgesamt etwas weniger ernst genommen würde.

Doch es treibt schon kuriose Blüten im Hause Linksjugend [’solid], wenn dort in der Facebook-Gruppe als Beispiel für progressive Religionskritik angeführt wird: „Die Bolschewiki hatten ein klares Programm zur Religion, sie haben der Kirche jegliche Privelegien genommen, die finanzielle Unterstützung gestrichen und Religion zu reinen Privatsache erklärt. Sie haben überall Bibliotheken errichtet in denen es antireligiöse, aufklärerische Bücher gab. So haben sie die Menschen erreicht.“

Graffiti in West-Jerusalem

Aha. Ja, erreicht haben sie die Menschen. 100.000e Gläubige wurden ermordet, Kirchen, Klöster und andere religiöse Orte wurden geschlossen und enteignet. Wer so etwas positiv heraushebt, aber sich über ein leicht despektierliches Video an der Klagemauer beschwert, sollte sich mal dringend überlegen welcher Religion er, respektive sie, selbst angehört.

Von Jerusalem aus nahmen wir einen palästinensischen Bus, der uns über Bethlehem nach Hebron brachte. Hebron ist heute eine geteilte Stadt. Der größere Teil (H1) gehört zur sog. A-Zone, steht also unter palästinensischer Selbstverwaltung. Hier dürfen sich Israel*innen, dem israelischen Gesetz nach, nicht aufhalten. Die Altstadt wiederum gehört zu der Zone (H2), die nur von Israel*innen und palästinensischen Anwohner*innen betreten werden darf, wobei die Bewegungsfreiheit auch für die Anwohner*innen eingeschränkt ist. Sich überall bewegen dürfen nur Ausländer*innen, wie wir.

Checkpoint in Hebron

Die palästinensischen Bewohner*innen beklagen sehr die Situation, dass die Grenze mitten durch die Stadt verläuft und somit kaum noch Geschäfte im alten Bazar geöffnet haben.

Bei einer Führung durch die Altstadt trafen wir auf eine Gruppe Soldat*innen, die etwas angespannt wirkten, da sie gerade eine Gruppe Siedler*innen beim Gang durch die Stadt abschirmten. Die Frage, ob es denn erlaubt sei zu fotografieren, wurde zunächst entschieden verneint. Daraufhin mischte sich unser palästinensischer Stadtführer ein und beharrte darauf, dass es per Gesetz erlaubt sei, Fotos zu machen. Es kam zu einem heftigen Wortgefecht.

In Hebron

Einer der Soldat*innen erkannte dann, dass die Lage am besten dadurch entspannt würde, einfach ein Foto mit dem Schalomie zuzulassen. Eine Situation, die an Demos in Deutschland erinnert. Auch hier ist es immer erlaubt, Polizeieinsätze zu fotografieren, auch wenn dies von Polizist*innen gelegentlich anders gesehen und vereitelt wird. Der Unterschied ist aber, dass bei Demos in Deutschland alle Beteiligten freiwillig vor Ort sind. Hier, in der geteilten Stadt, sind es junge Wehrpflichtige auf der einen und einfache Anwohner*innen auf der anderen Seite.

Hebron ist berühmt für die Machpela, das „Grab der Patriarchen“. Ein großes, altes Gebäude, in dem Abraham, Issak und Jakob, sowie ihre Frauen Sara, Rebekka und Lea begraben sein sollen. Seit einem Attentat im Jahr 1994 ist das Haus strikt in einen Moschee- und einen Synagogenbereich getrennt. Die Sarkophage Issaks und Rebekkas „gehören“ den Muslim*innen, Jakobs und Leas den Jüd*innen.

Das Grab des Patriarchen Abraham

Die Sarkophage Abrahams und Saras befinden sich zwischen Moschee und Synagoge. So können sie von beiden Religionen, die in Abraham den gemeinsamen Stammvater sehen, separat angebetet werden. Dazwischen ist eine Trennwand. Welche Gerippe man hier tatsächlich verbuddelt hat, bleibt unklar. Eingeräumt wird, dass die Sarkophage nur symbolisch sind und die wahren Gräber unter dem Gebäude liegen sollen.

In Hebron

Die jüdischen Siedler*innen in Hebron berufen sich darauf, dass Hebron Teil des biblischen Judäas ist und somit das Gebiet von Gott persönlich versprochen wurde. Außerdem wird auf die Pogrome von 1929 verwiesen, in denen Araber*innen die Jüd*innen aus der Stadt vertrieben. Israel habe Hebron im Sechstagekrieg von 1967 somit „befreit“ und das „gestohlene“ Land wieder zugänglich gemacht. Was für Siedler*innen aber so attraktiv daran ist, häufig aus den USA kommend, nach Hebron zu ziehen und auf einem kleinen Areal, stets bewacht und unter ständiger Gefahr zu leben, bleibt dennoch rätselhaft.

Im Westjordanland existieren die Nationen Israel und Palästina praktisch parallel. Wenngleich Palästina keine eigene Armee oder Währung hat, gibt es immerhin eine eigene Polizei (inklusive Geheimdienst), eine eigene Post, eigene KfZ-Kennzeichen, ein eigenes Länderkennzeichen im Internet und eine eigene internationale Telefonvorwahl. Die israelische Vorwahlnummer soll aber auch funktionieren. In den israelischen Siedlungen, auf den Verbindungsstraßen und ihren Raststätten deutet allerdings nichts darauf hin, dass man sich hier irgendwo anders als in Israel befindet.

Checkpoint Qalandiya

Wird ein israelischer Bus bei der Einreise ins israelische Kernland überhaupt kontrolliert, so wird oft nur ein Blick auf die Gesichter geworfen. Ungleich strenger sind die Kontrollen freilich für palästinensische Busse, die von der Westbank aus nach Jerusalem fahren. Im Westjordanland gibt es über 100 Siedlungen und etwa 100 Außenposten. Würde Israel diese jemals aufgeben, müsste im Gegenzug zu 100% sichergestellt sein, dass dieser Schritt zu mehr und nicht zu weniger Sicherheit für Israel führt. Es ist höchst zweifelhaft, ob wir dies jemals erleben werden.

Rosa Luxemburg Foundation Palestine

In Ramallah, der inoffiziellen Hauptstadt Palästinas, besuchten wir das dortige Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Programm-Managerin Salam Hamdan stellte uns ihre Arbeit vor. Das Büro betreut und koordiniert politische Projekte in Palästina und Jordanien, sowie bis 2012 auch in Ägypten. Die Situation ist nicht ganz einfach für die Stiftung, denn die palästinensische Autonomieverwaltung ist skeptisch gegenüber ausländischen Stiftungen, insbesondere wenn sie kritische und linksorientierte Arbeit betreiben. Ohnehin ist die Situation für zivilgesellschaftliches Engagement schwierig in Palästina. Präsident Mahmud Abbas regiert derzeit ohne Parlament und ist sich nicht ganz sicher, ob er gedenkt irgendwann mal wieder Neuwahlen zuzulassen. Noch problematischer ist die Situation natürlich im Gazastreifen, wo die Hamas ihre totalitäre Herrschaft ausübt. Während die Wirtschaft Gazas am Boden liegt und die Elektrizität sehr knapp ist, investiert die Hamas lieber in Aufrüstung statt in Infrastruktur. Doch langsam finden sich zunehmend Menschen, die sich trotz der harten Repressionen der Hamas trauen, für ein besseres Leben auf die Straße zu gehen. Ein Hoffnungsschimmer.

Portrait von Hamas-Gründer Ahmad Yasin in einem Hinterhof in der Jerusalemer Altstadt
Graffiti in Tel Aviv

Während die Regierung der Hamas den Menschen in Gaza religiöse Gesetze mit de-facto-staatlichen Maßnahmen aufzwingt, ist es im Westjordanland eine schleichende Islamisierung der Gesellschaft, die seit den 80er Jahren durchmarschiert. Im, für palästinensische Verhältnisse, modern und westlich geprägten Ramallah ist es etwas anders, aber z.B. in Hebron ist auf der Straße so gut wie keine Frau ohne Kopftuch zu sehen. Diese Tendenz ist problematisch. Problematisch für Institutionen wie die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die sich einer säkularen Weltanschauung verschrieben fühlen, als auch problematisch für den Frieden an sich. Denn wer Gott auf seiner Seite wähnt, der ist nicht bereit zu Kompromissen.

Die Mauer

Problematisch für die Palästinenser*innen ist natürlich auch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Es ist für Palästinenser*innen leichter ein Schengen-Visum zu bekommen (was überhaupt nicht leicht ist), als eine Einreisegenehmigung in das israelische Kernland. Besonders hart trifft dies Kranke, die auf medizinische Behandlung angewiesen sind, die sie in Palästina nicht bekommen können und in Israel nicht bekommen dürfen. Kontakte zwischen linken Palästinenser*innen und linken Israel*innen, die es früher durchaus gab, können heute nicht mehr stattfinden. Es herrscht ein Klima der Segregation.

Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Wir sprachen auch über die politische Situation in Deutschland und über parallele Entwicklungen. Die Tendenz, sich die komplexe Weltlage mittels einfacher Verschwörungstheorien zu erklären, wie es sie im arabischen Raum schon seit langer Zeit gibt, hat ja mittlerweile auch in Europa Einzug gehalten. So ist es auch der Rosa-Luxemburg-Stiftung Palästina nicht verborgen geblieben, dass viele deutsche Linke Baschar Al-Assad fälschlicherweise für einen gerechten Stabilitätsfaktor halten, in den USA die Drahtzieher*innen des syrischen Bürgerkrieges sehen oder Putin mit Lenin verwechseln. Insgesamt waren wir positiv angetan von der durchweg progressiven Haltung der Mitarbeiter*innen der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Ramallah.

Von Jerusalem aus machten wir einen Abstecher an das Tote Meer. Dieser See am tiefsten Punkt der Erde ist dafür bekannt, dass man in ihm aufgrund des besonders hohen Salzgehaltes beim Schwimmen nicht untergehen kann. Schon Kleopatra soll das Salz aus dem Toten Meer für ihre berühmten Baderituale genutzt haben. Durch die ständige Wasserentnahme aus dem Jordan ist das Tote Meer in den letzten Jahrzehnten erheblich zusammen geschrumpft. Für den nördlichen Teil bedeutet dies eine zunehmende Austrocknung, in deren Folge sich die Uferlinie von den ursprünglichen Badeorten und Badestellen zurückzieht.

Im Toten Meer

Die Badeorte und Badestellen im südlichen Teil sind hingegen von Überflutungen bedroht, da große Mengen an Salzablagerungen, die sich als Nebenprodukt einer industriellen Mineraliengewinnung auf dem Grund anlagern, für ein Ansteigen des Pegels sorgen. So konnten wir nicht wie geplant in En Gedi am nördlichen Toten Meer baden, da am Ufer Einsturzgefahr besteht und der Strand mittlerweile geschlossen ist. Wir wichen auf den luxuriösen Badeort En Bokek am südlichen Toten Meer aus.

Von Tiberias am See Genezareth in Galiläa aus machten wir noch einen Abstecher auf die Golanhöhen. Der Bus brachte uns über Katzrin zum Kibbuz Merom Golan. Von dort aus stiegen wir zu Fuß auf den Berg, der das „Coffee Annan“ beheimatet. Hier kann man UNO-Blauhelmen bei der Arbeit zuschauen. Der Name ist zum einen eine Anspielung auf Kofi Annan, zum anderen bedeutet Annan im Hebräischen „in den Wolken“.

Coffee Annan

Der Berg bietet ein breites Panorama mit Blick auf Syrien, die verlassene Stadt Kuneitra und den Berg Hermon. An manchen Tagen soll man von hier aus auch die Detonationen auf der anderen Seite der Grenze hören und sehen können. Die einst syrischen Golanhöhen wurden von Israel im Sechstagekrieg von 1967 erobert, nachdem von diesem Gebirge aus immer wieder israelische Gemeinden beschossen wurden. Das Gebiet ist seit 1981 offiziell annektiert, was völkerrechtlich allerdings nie anerkannt wurde.

Blick auf Syrien

Die einheimischen Drus*innen machen seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges vermehrt von dem seit langem bestehenden Angebot Gebrauch, israelische Staatsbürger*innen zu werden. Der Frieden auf dem Golan ist aber weiterhin bedroht: Mit Assad und Putin verbündete schiitische Milizen, die unter dem Kommando der Hisbollah und des Iran stehen, haben bereits angekündigt, nach der „Befreiung“ Aleppos auch den Golan „befreien“ zu wollen.

In einem geparkten Militär-Jeep am Fuße des Berges entstand dann auch noch ein Promo-Foto für den „Landessprecher der Herzen“. Dies wurde in der Linksjugend Solid umgehend als „gewaltverheerlichendes [sic!] Bildmaterial“ interpretiert.

Stabile Unterstützung für den „Landessprecher der Herzen“

Und so haben diejenigen, die mit kurdischen Kämpfer*innen oder der Roten Armee in der Regel überhaupt kein Problem haben, mal wieder etwas gegen die Verteidigung des Judenstaates einzuwenden. Vielleicht möchten sie sich bei Gelegenheit aber ja mal darüber informieren, warum das Militär in Israel so omnipräsent ist, obwohl der Staat ja eben keine Militärdiktatur darstellt und Theodor Herzl einst sogar ein zionistischer Staat vorschwebte, der auf eine Armee gänzlich verzichten sollte. Spoiler: Mit „Imperialismus“ hat es nichts zu tun.

Mc Donald’s verfügt über ein Koscher-Zertifikat
Am Strand von Tel Aviv

Nachdem wir wieder zurück nach Tel Aviv gekehrt waren, unsere gesamten verbliebenen Schekel im berauschenden Nachtleben, für Israel-Merchandise, Arak und Einhorn-Tattoos ausgegeben hatten, fiel zwei Shalomies am letzten Tag auf, dass kein Geld mehr für die Fahrt zum Flughafen da war. Der Plan, zum Bahnhof zu laufen und von dort aus schwarzzufahren, erwies sich als undurchführbar, aufgrund einer zu langen Strecke einerseits und Personenschranken am Bahnhof andererseits. Eine freundliche ältere Laden-Verkäuferin war jedoch sofort bereit, auszuhelfen und aus eigener Tasche das Geld für die Tickets zu spendieren. „You’ll remember Israel“ sagte sie zum Abschied. Yes, indeed we will.

 

Stellungnahme zu der Ankündigung Xavier Naidoo die Echo-Verleihung 2017 moderieren zu lassen:

Xaver Naidoo sorgt für mediale Aufmerksamkeit. Schon während der Ankündigung einer Konzerttour im Oktober letzten Jahres erntete der umstrittene Sänger auf den Kommentarspalten seiner Facebook-Veranstaltungen tausende abwertende Kommentare. So geschehen auch in Hamburg. Das Hamburger Abendbaltt berichtete: »Was ist das nur für ein Shitstorm um Xavier Naidoo?«. Angefangen hatte der Shitstorm schon als der Sänger für den Eurovision Song Contest (ESC) 2015 durch den Norddeutschen Rundfunk (NDR) nominiert wurde. Der Sänger ist bekannt durch realititätsferne Aussagen wie diese, 2011 im Morgenmagazin:

Hat Deutschland eine Verfassung? Ist Deutschland noch besetzt? Tut die NSA gar nichts Verbotenes, sondern darf er das eigentlich sogar, weil die Deutschen es ihr per Gesetz erlauben? Weil wir eigentlich gar kein richtiges Land sind. Weil wir immer noch besetzt sind.

Oder in seinem Lied „Raus aus dem Reichstag“:

Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken
Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken
Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel
Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel.

Oder der Liedtext dieses lyrischen „Meisterwerks“ Namens „Wo sind sie jetzt“ was er mit Kool Savas aufgenommen und performet hat:

„Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

Wir könnten jetzt noch einen kleinen Wälzer füllen mit Aussagen die Xavier Naidoo, bekennender Anhänger der Reichsbürger, Bediener antisemitischer Ressentiments, in der Kritik stehender Homophober, gesagt hat. Diesem Menschen wird eine Bühne gegeben, die er mit seiner kritikrdigen Reichsbürgerideologie füllen kann. Dies ist unter allen Umständen zu verhindern. Es darf nicht sein, dass ein Mensch der durch menschenfeindliche Aussagen auffiel, einen der größten deutschen Musikpreise moderieren soll. Er mag musikalisch etwas erreicht haben, dies steht aber in keinem Verhältnis zu der gesellschaftlichen Sprengkraft seiner Aussagen!

In einer Zeit, in der ein Rechtsruck in unserer Gesellschaft zu verspüren ist, rassistische und antisemitische Übergriffe zunehmen, ist ein Moderator, der auf anderen Bühnen antisemitisches, völkisches, rechtsradikales und menschenfeindliches Gedankengut verbreitet hat, auch bei einem scheinbar unpolitischen Event unerträglich! Erst Recht auf einer Fernseh-Bühne mit Kameras und Mikrofonen.

Aus diesem Grund distanzieren wir uns als LAK Shalom Hamburg von der Wahl dieses – mehr als ungeeigneten – Moderators und fordern die Verantwortlichen des Echos auf, ihre Auswahl zu überdenken und den Platz neu zu besetzen.

Wir möchte uns hier ganz herzlich bei unserem Co-Autoren Bastian Stock bedanken ohne diesen unsere Stellungnahme nicht möglich gewesen wäre.

Weitere Quellen: